Welchem Wahrheitsbegriff waren die neutestamentlichen Evangelien verpflichtet?

Welchem Wahrheitsbegriff waren die neutestamentlichen Evangelien verpflichtet und welchen Beitrag leisten sie zur Begründung des christlichen Glaubens? in: Ichthys 2024/1, 13-25:

Das Thema dieses Aufsatzes begann mich zum ersten Mal in meiner Zeit als Gymnasiast zu interessieren. Im Religionsunterricht versuchte ich gelegentlich, mich in Diskussionen auf Aussagen der Evangelien zu beziehen. Darauf bekam ich von meinem Religionslehrer als Antwort zu hören, dass ein solcher (naiver) Umgang mit den Evangelien unangemessen sei, da man in der Antike und damit auch in der Zeit des Neuen Testaments ein ganz anderes Wahrheitsverständnis gehabt habe als wir modernen Menschen heute. Im Altertum habe man noch nicht klar zwischen historischen Fakten und fiktiven Aussagen unterscheiden können. Daher dürfe man in den Evangelien auch keine in unserem Sinne historischen Berichte über das Leben Jesu suchen …

Hat Paulus durch magische Tücher Kranke geheilt?

In Apg 19,11-12 ist davon die Rede, dass Menschen, die krank waren oder böse Geister in sich hatten, gesund geworden sind, nachdem sie die Schweißtücher des Apostels Paulus berührt hatten. Was das zu bedeuten hat und wie man diese Stelle theologisch einordnen kann, erklärt Armin Baum, Professor für Neues Testament an der FTH Gießen.

https://www.fthgiessen.de/fthpodcast/armin-baum-hat-paulus-durch-magische-tuecher-kranke-geheilt/

Nawalny und die ungerechten Weingärtner

IDEA 13/2024, 16-17:

„Man muss die Bibel lesen, damit man die Zeitung versteht.“ Denn Zeitunglesen ohne biblische Zukunftsperspektive kann niederschmetternd sein. Diese Maxime unseres ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau (1931–2006) hat sich in den letzten Wochen wieder einmal bestätigt. Am 1. März dieses Jahres wurde der russische Regimekritiker Alexej Nawalny beigesetzt. Er wurde nur 47 Jahre alt. Seine so beeindruckende wie deprimierende Passionsgeschichte hat mich besonders an einen Bibeltext erinnert: Jesu Gleichnis von den ungerechten Weingärtnern …“

Warum durften christliche Männer beim Beten keine Kopfbedeckung tragen?

Der Apostel Paulus hat nicht nur die christlichen Frauen in Korinth aufgefordert, beim Beten ihren Kopf zu bedecken, sondern umgekehrt die christlichen Männern aufgefordert, mit unbedecktem Kopf zu beten (1 Korinther 11,3-7). Was war der Sinn dieser auf den ersten Blick unverständliche Vorschrift? Wie wirkt in unserer heutigen Kultur nach? Und wie können Christen mit dieser biblischen Vorschrift gut umgehen?

Das Konzept der sexuellen Orientierung in der griechisch-römischen Umwelt des Neuen Testaments

Das Konzept der sexuellen Orientierung in der griechisch-römischen Umwelt des Neuen Testaments: Philosophische, medizinische, astrologische und andere Quellentexte in deutscher Übersetzung, in: Ephemerides Theologicae Lovanienses 99 (2023) 609-637:

Abstract: The thesis of Karl Hoheisel in his seminal RAC article of 1994 that ‚the concept of constitutional, predispositional homosexuality was already common in the Hellenistic world‘ can be confirmed by numerous additional statements from philosophical, medical, astrological and other Greco-Roman source texts. Hence the argument used by several biblical scholars that the ancient world did not know (or only tentatively knew) of the notion of different sexual orientations or that Paul could not have known that homosexuality was an unintended and irreversible predisposition is historically untenable.

Das Konzept der sexuellen Orientierung ist bereits in philosophischen, medizinischen und astrologischen Texten sowie in der Unterhaltungsliteratur der Antike nachweisbar. Die Aussage, es sei erst im 19. Jahrhundert entwickelt worden und in der Antike unbekannt gewesen, ist unzutreffend. Die Vielzahl antiker Autoren unterschiedlichster Fachrichtungen und Epochen, die sich zum Thema geäußert haben, lassen sich auch nicht als Einzelstimmen bezeichnen. Genauso unzureichend ist angesichts der Ausführlichkeit, mit der sich antike Philosophen, Mediziner und Astrologen zum Thema geäußert haben, die Einschätzung, eine homosexuelle Verlangung sei in der Antike allenfalls in Ansätzen bekannt gewesen.

Der Kindermord in Bethlehem

Der Kindermord in Bethlehem, in: IDEA 51-52/2023, 16-17:

Es gibt zwei biblische Weihnachtsgeschichten, eine harmonische und eine entsetzliche. Zum diesjährigen Weihnachtsfest passt die grausame Geschichte. Aber auch sie macht Hoffnung.

Am 7. Oktober verübte die radikalislamische Terrororganisation Hamas einen extrem brutalen Mordanschlag auf Kleinstädte und Siedlungen im Süden Israels. Unter den auf bestialische Weise getöteten Opfern waren auch viele Kinder, Kleinkinder und Säuglinge. Während ich diesen Text schreibe, kommen immer noch neue schreckliche Details ans Licht …

Alice Schwarzer, der Papst und der Kampf um Abtreibung

Alice Schwarzer, der Papst und der Kampf um Abtreibung, in: IDEA 37/20023,20-22:

„Ich bewundere Alice Schwarzer. Im vergangenen Jahr ist die bekannteste Feministin Deutschlands 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass habe ich ihre zweibändige Autobiografie gelesen. Seit den 70er Jahren hat sie mit ihrer PorNO-Kampagne für ein Verbot der Pornografie gekämpft. Seit etwa 1980 plädierte sie in ihrem Kampf gegen Prostitution für die Bestrafung von Zuhältern und Freiern. Neuerdings kämpft sie gegen das Selbstbestimmungsgesetz der Bundesregierung, das bereits Minderjährigen ab 14 Jahren ermöglicht, ihren Geschlechtseintrag zu ändern. Sie will vor allem junge Frauen vor einem schwerwiegenden Fehler bewahren. Das alles sind auch christliche Anliegen. Und obwohl sie sich meines Wissens nicht als Christin versteht, hat Alice Schwarzer für diese Ziele ein Leben lang literarisch und politisch gekämpft …“

Schweigen, Schmuck und Schleier

Schweigen, Schmuck und Schleier, in: IDEA 35/2023, 20-21:

„Vor einigen Wochen habe ich an dieser Stelle unter der Überschrift „Andere Zeiten, andere Sitten“ eine Leserfrage zum Frageverbot in 1. Korinther 14,33b-35 beantwortet (Ausgabe 30/31). In einem zweiten Schritt ordne ich meine kurze Antwort zu dieser Detailfrage in das Gesamtbild ein. Ich erkläre genauer, warum ich die Auslegung von Johannes Calvin (1509-1564) für richtig halte – und gehe auf einige Einwände ein …“