Wann kommt Christus wieder?

Wann kommt Christus wieder? in: idea spektrum 48/2016, 16-18:

… Wenn das Neue Testament zur Wachsamkeit ermahnt (Matthäus 25,13), dann ist das nicht als Aufforderung gemeint, über Endzeitfahrpläne und den Stand des Zeigers auf der Weltenuhr zu spekulieren. „Wachsam“ ist der, der darauf achtet, so zu leben, wie es seinem Glauben an Christus entspricht. Die biblischen Aussagen über die Wiederkunft Jesu richten sich nicht an unsere intellektuelle Neugier, sondern an unser Gewissen …

Siegfried Zimmer und die biblische Sexualethik

Vorehelicher Geschlechtsverkehr in der Antike und in der Bibel. Siegfried Zimmer und die biblische Sexualethik, Weißes Kreuz 2016, 38 S.

… Zimmers historische Angaben, mit denen er die Unterschiede zwischen antiker und moderner Kultur erklären will, sind in weiten Teilen unzutreffend. Die ausschlaggebende historische Fehlinformation, die Zimmer in seinem Vortrag verbreitet, betrifft den Zusammenhang zwischen Geschlechtsreife und Heiratsalter. Eine biblische Welt, in der die jungen Männer allerspätestens mit 19 Jahren verheiratet waren, in der Frauen und Männer geheiratet haben, sobald sie geschlechtsreif waren, in der es praktisch keinen vorehelichen Sex gab und  in der vorehelicher Sex auch kein ethisches Thema war, ist eine Fiktion. Eine solche Antike hat es nie gegeben. Derartige historische Fehlurteile eignen sich nicht als Basis für belastbare sexualethische Urteile. In Wirklichkeit durchlebten auch in der Welt der Bibel viele Menschen eine jahrelange Lebensphase, in der sie geschlechtsreif aber nicht verheiratet waren. In dieser Hinsicht erging es ihnen nicht anders als uns heute. Sie standen vor denselben sexualethischen Herausforderungen wie wir …

Sind die Evangelien historisch glaubwürdig?

Sind die Evangelien historisch glaubwürdig? Eine wissenschaftliche Antwort, in: Steps 4/2016, 24-27:

Was lässt sich wissenschaftlich zur historischen Zuverlässigkeit der neutestamentlichen Evangelien sagen? Bevor wir uns an die Beantwortung dieser Frage machen können, müssen wir uns kurz darüber verständigen, was wir unter Wissenschaft verstehen wollen. Und ob Theologen überhaupt wissenschaftliche Aussagen machen können …

Zwischen Abschreibeverhältnis und frühjüdischer Gedächtniskultur

Zwischen Abschreibeverhältnis und frühjüdischer Gedächtniskultur. McIvers experimentalpsychologische Kriterien zur Identifizierung eines Abschreibeverhältnisses zwischen den synoptischen Evangelien, in: Der jüdische Messias Jesus und sein jüdischer Apostel Paulus, Hg. A. D. Baum / D. Häußer / E. Rehfeld (WUNT II/425), Tübingen: Mohr, 2016, 142-177

In a number of experiments with prose texts that were designed to be analogous to the synoptic problem, Robert McIver and Marie Carroll have demonstrated that students are not able to remember unbroken sequences of more than 15 words in exactly the same order as in the source texts. In the synoptic Gospels McIver and Carroll found 9 parallel prose passages with a sequence of exactly the same 16 or more words (up to a maximum of 31 words). They concluded that copying almost certainly occurred in these synoptic parallels. However, McIver und Carroll did not take into account the empirically demonstrable retention rates of people with a trained memory. As research results from experimental psychology and oral cultures reveal, such people can generate text reproductions of up to 36 words that are exactly the same as in the original. From the perspective of experimental psychology even the longest exact word-for-word parallels in the synoptic Gospels can be accounted for on the basis of memorization. There are no examples of synoptic parallels that cannot have been produced by human memory and must therefore be the result of copying. What is more, some of the synoptic parallels with long sequences of exactly the same words contain evidence that can best be explained as the result of memorization.

Der jüdische Messias Jesus und sein jüdischer Apostel Paulus

Der jüdische Messias Jesus und sein jüdischer Apostel Paulus, Hg. A. D. Baum / D. Häußer / E. Rehfeld (WUNT II/425), Tübingen: Mohr, 2016

Anlässlich des 65. Geburtstags von Rainer Riesner haben sich Schüler und Kollegen zusammengefunden, um jüdische Aspekte des messianischen Wirkens von Jesus von Nazareth und des apostolischen Wirkens von Paulus von Tarsus zu beleuchten. Die Beiträge des Sammelbands kreisen mehrheitlich um die Kontinuitäten und Diskontinuitäten zwischen Judentum und Christentum, die in den neutestamentlichen Texten über Jesus und über bzw. von Paulus zu finden sind. Die Frage nach der jüdischen Verwurzelung des frühen Christentums umfasst mindestens drei Aspekte, die hier allesamt in den Blick genommen werden: das Verhältnis des Wirkens von Jesus und Paulus zu den heiligen Schriften Israels, die Beziehung von Jesus und Paulus zum zeitgenössischen Judentum und die Verknüpfung der paulinischen Theologie mit der Verkündigung Jesu bzw. der synoptischen Tradition.

Two Shipwrecked Gospels

Rez. Dennis R. MacDonald, Two Shipwrecked Gospels: The Logoi of Jesus and Papias’s Exposition of Logia about the Lord. Early Christianity and its Literature 8. Atlanta: Society of Biblical Literature, 2012, in: Bulletin for Biblical Research 25 (2015) 573-574:

„… If indeed the most ancient and valuabel historical witnesses we have are largely unreliable and useless, there is much more room for historical speculation. But under such circumstances, the best option would probably be to abstain from developing historical models of the origin of the NT Gospels because of complete lack of a firm historical framework“.

The Original Ending of Mark

Rez. Nicholas P. Lunn, The Original Ending of Mark. A New Case for the Authenticity of Mark 16:9-20, Eugene 2014, in: Theologische Literaturzeitung 141 (2016) 51-53:

Eines der „Dogmen der neutestamentlichen Textkritik“ lautet, dass die letzten zwölf Verse des Markusevangeliums (Mk 16,9-20) nicht vom Evangelisten stammen, sondern nachträglich von anderer Hand ergänzt worden sind … L. ist es in seiner gründlichen und sorgfältigen Untersuchung gelungen zu zeigen, dass der sekundäre Charakter des längeren Markusschlusses keineswegs so „offensichtlich“ ist und so „zweifellos“ bewiesen werden kann, wie manche Kommentatoren behauptet haben. Die externe und die interne Evidenz sind weniger eindeutig als es manchem erscheinen mag, der sich nicht selbst intensiv damit befasst hat. Trotzdem scheint mir die These, Mk 16,9-20 sei ein ursprünglicher Bestandteil des Evangeliums, etwas unwahrscheinlicher zu sein als das von L. bezweifelte „Dogma“ der Mehrheit. Zwar dürfte der längere Markusschluss Stoff enthalten, der ähnlich alt ist wie der originale Inhalt der synoptischen Evangelien. Davon, dass die redaktionellen Verknüpfungen in Mk 16,9.12.14.19 das Werk des Evangelisten Markus sind, hat mich das Buch aber nicht überzeugt.

Das Verhältnis der Apostelgeschichte zu Epos und „Roman“ aus der Perspektive der antiken Literaturtheorie

Das Verhältnis der Apostelgeschichte zu Epos und „Roman“ aus der Perspektive der antiken Literaturtheorie, in: Ephemerides Theologicae Lovanienses 91 (2015) 601-626:

The Book of Acts has recently been classified both as an ancient epic (by M. Palmer Bonz e.a.) and as an historical novel (by R.I. Pervo e.a.). These genre descriptions, however, are not in accordance with the definitions of epic and “novel” offered by ancient literary theorists like Aristotle, Quintilian, Julian Apostata and Macrobius. Their genre definitions must not be ignored. From the perspective of ancient literary theory, the Book of Acts could only be regarded as historiography. Ancient readers who thought that the book’s content was largely invented would have considered it bad historiography but neither an epic nor an historical “novel”.

Mark’s Paratactic καί as a Secondary Syntactic Semitism

Mark’s Paratactic καί as a Secondary Syntactic Semitism, in: Novum Testamentum 58 (2016) 1-26

In recent research, a number of scholars have questioned the classification of paratactic καί in the NT Gospels as a syntactic Semitism. As a review of all available evidence demonstrates, however, the strong dominance of paratactic καί in the Gospel of Mark has close analogies in the LXX but is unparalleled in ancient original Greek literature. This conclusion can be supplemented by additional evidence which has so far not been taken into account: The very high frequency of paragraph introducing καί in the Second Gospel has many parallels in the Greek OT but is without analogy in original Greek texts. Because of its exceptional frequency on sentence and pericope level, it is still correct to classify paratactic καί in Mark’s Gospel as a syntactic Semitism, albeit a secondary one.