Eine akademische Diskussion über Sexualität und Geschlecht misslingt

(Besprechung von) Forderer, Tanja, Gerber, Christine, Kaiser, Ursula Ulrike, u. Silke Petersen (Hg), In aller Vielfalt. Geschlechter, Sexualitäten, Beziehungsformen im Neuen Testament und seinen Kontexten, Tübingen: Mohr Siebeck, 2025 (320 S.), in: Theologische Literaturzeitung 151 (2026) 497-500:

Die vier Herausgeberinnen dieses von vierzehn Autorinnen verfassten Sammelbands unterstreichen in ihrem Epilog die unbestreitbare Beobachtung, dass biblische Texte zur Sexualität »auch in gefährdender Weise verwendet werden« können (257) und eine falsche Applikation dieser Texte geradezu »menschenfeindlich sein kann« (259). Darum wenden sie sich in ihren historischen und exegetischen Kapiteln immer wieder gegen Diskriminierung, Geschlechterungerechtigkeit, Gewaltstrukturen, Machtmissbrauch und Unterdrückung.

Dieses Anliegen ist nicht strittig – umstritten ist jedoch, was für eine Bibelauslegung zu Ungerechtigkeit und Missbrauch führt. Konkret wollen die Herausgeberinnen der Einleitung zufolge die kürzlich von Matthias Becker (Heidelberg) in seinem Buch »Ehe, Familie und Agamie« (2024, 22025) vertretene bibelwissenschaftliche These widerlegen, »das Neue Testament und das entstehende Christentum hätten ausschließlich die heteronormative Ehe mit Kinderwunsch als legitime Lebensform angesehen und nur zwei Geschlechter gekannt und anerkannt. Dieses Buch legt Einspruch ein gegen die Inanspruchnahme des Neuen Testaments zur Propagierung bestimmter Familienkonzepte als gottgewollt« (2–3).

Erstaunlicherweise wird Beckers Monografie auf den nächsten 200 Seiten des Sammelbands nicht mehr erwähnt …