Warum wir uns an die ganze Bibel halten sollten

Schrifenkanon oder „Kanon im Kanon“? Warum wir uns an die ganz Bibel halten sollten, in: Licht und Leben 3-4/2018, 2-5:

„Statt unserer Neigung zu folgen, einen Teil der theologischen Aussagen des biblischen Schriftenkanons als inakzeptabel auszusondern, sollten wir uns bewusst der Herausforderung stellen, mit der Christenheit der letzten 2000 Jahre auf die ganze Schrift zu hören. Denn nur dann können die biblischen Aussagen, die uns besonders fremd und unangenehm sind, als Korrektiv dienen und immer wieder unsere theologischen Unausgewogenheiten heilen“.

Women Praying and Prophesying in Corinth

Rez. zu Jill E. Marshall, Women Praying and Prophesying in Corinth. Gender and Inspired Speech in First Corinthians. Tübingen: Mohr Siebeck, 2017, in: ThLZ 143 (2018) 765-767:

„Warum hat Paulus den korinthischen Christinnen das prophetische Reden in 1 Kor 11 erlaubt und in 1 Kor 14 verboten? Auf diese Frage möchte Jill Marshall in ihrer an der Emory University verfassten Dissertation eine neue Antwort geben. Sie lautet, dass in 1 Kor 11-14 zwei gegensätzliche Tendenzen aufeinander treffen, die auch in der antiken Umwelt des Paulus unausgeglichen nebeneinander standen. Einerseits galten Frauen als besonders begabte Propheten. Andererseits wurde das öffentliche Reden von Frauen stark eingeschränkt. Auch Paulus schwankte zwischen einem geschlechterunabhängigen Rederecht für Propheten und Prophetinnen (in 1 Kor 11,2-11) und einer hierarchischen Geschlechterasymmetrie, die das prophetische Reden von Frauen ausschloss (1 Kor 14,33b-35) …“

Streitgespräch: Wie entstand das Neue Testament?

Wie entstanden die neutestamentlichen Schriften? Über diese Frage debattieren der evangelikale Theologe Prof. Armin Baum und der historisch-kritische Theologe Udo Schnelle im idea-Streitgespräch. Das Gespräch moderierte Karsten Huhn, in: idea spektrum 23/2018, 16-19

Streitgespräch Baum Schnelle (Juni 2018) – Kurzfassung

Streitgespräch Baum Schnelle (Juni 2018) – Langfassung (einschließlich Pseudepigraphie)

Biographies of Jesus in Old Testament and Rabbinic Style

Biographies of Jesus in Old Testament and Rabbinic Style: The Genre of the New Testament Gospels, in: The Earliest Perceptions of Jesus in Context. Essays in Honour of John Nolland, Hg. C. A. Evans / D. Wenham / A. White, London: Bloomsbury, 2018, 33-58:

„The New Testament gospels exhibit an amalgam of biographical genre elements from Greco-Roman cultivated literature (Hochliteratur) and popular literature (Kleinliteratur), Old Testament historiography, and rabbinic literature. They display the least affinity with the erudite Bioi of Greco-Roman Hochliteratur (pace R. Burridge). Similarities with Greco-Roman popular lives are more evident. But M. Reiser’s thesis that the gospels were influenced to an even greater degree by the biographical sections of Old Testament history books can be further strengthened. In addition, it is possible to demonstrate close affinities between the gospels and the biographical components of rabbinic literature. Overall the four New Testament gospels can be characterized as biographies of Jesus in Old Testament and Rabbinic style with comparatively slight Greco-Roman influences“ (abstract).

Einleitung in das Neue Testament

Einleitung in das Neue Testament. Evangelien und Apostelgeschichte. Gießen: Brunnen Verlag, 2017

„In seiner umfangreichen historischen und literarischen Einleitung in die Evangelien und die Apostelgeschichte behandelt Armin Baum die klassischen Fragen der neutestamentlichen Einleitungswissenschaft. Neben der Sprache, dem Erzählstil, der Verfasserschaft, den Gattungen, der synoptischen Frage und der Entstehungszeit werden auch textkritische Besonderheiten und kanontheologische Problemen analysiert. Der Autor ist überzeugt, dass die neutestamentlichen Erzählbücher zur antiken Geschichtsschreibung gehören und dabei einen überwiegend alttestamentlich-jüdischen Charakter aufweisen. Die vier kanonischen Evangelien sind im Kontext einer antiken Gedächtniskultur entstanden, in der menschliches Erinnerungsvermögen und mündliche Überlieferung eine dominierende Rolle spielten. Bei der Beurteilung der Historizität der neutestamentlichen Geschichtsbücher ist vom antiken Konzept historischer Authentizität auszugehen, das sich nicht am Wortlaut, sondern am Inhalt orientierte“.

„Die Frauen sollen in den Gemeindeversammlungen schweigen“

„Die Frauen sollen in den Gemeindeversammlungen schweigen“. 1 Kor 14,33b-35 und 11,5 vor dem Hintergrund der antiken jüdischen Kultur, in: Mit der Bibel – Für die Praxis. Beiträge zu einer praktisch-theologischen Hermeneutik, Hg. Ph. Bartholomä/S. Schweyer, Gießen 2017, 59-76

„Als entscheidend für die Interpretation der beiden umstrittenen Aussagen in 1 Kor 11 und 14 hat sich die antike Unterscheidung zwischen dem öffentlichen und dem privaten bzw. häuslichen Raum erwiesen, die für die antike Definition männlicher und weiblicher Rollen und Rechte grundlegend war. Wie die Interpretation von 1 Kor 11,5 und 14,33b‑35 vor diesem kulturellen Hintergrund gezeigt hat, waren die Aussagen des Apostels Paulus erheblich restriktiver gemeint als manche Exegeten annehmen. In 1 Kor 14,33b‑35 hat Paulus den weiblichen Mitgliedern seiner Gemeinden in Übereinstimmung mit der jüdischen Sitte Wortbeiträge in öffentlichen Gemeindeversammlungen grundsätzlich untersagt. Dieses Verbot vertrat er so konsequent, dass er Christinnen sogar verbot, in öffentlichen Gemeindeversammlungen Fragen zu stellen. In 1 Kor 11,5 ist Paulus nicht von dieser strengen Linie abgewichen, sondern hat weiblichen Gemeindegliedern nur für den privaten bzw. häuslichen Raum (implizit) erlaubt, sich mit Wortbeiträgen an christlichen Zusammenkünften zu beteiligen. Auch diese tat er in Übereinstimmung mit der jüdischen (bzw. antiken) Sitte. Für Leser des Neuen Testaments, die die Heilige Schrift als die höchste Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung betrachten, stellt sich die Frage, wie sie mit den Aussagen diesen Apostels Paulus über das Reden und Schweigen von Frauen umgehen sollen …“

Die Inspiration der Bibel

Die Inspiration der Bibel. Was verleiht diesem alten Buch eine so einzigartige Bedeutung? in: Glaubwürdig aus guten Gründen. Warum wir der Bibel vertrauen können. Hg. U. Wendel, Wuppertal 2017, 95-110:

„Die Bibel ist ein einzigartiges Buch. Aus christlicher Sicht ist sie bedeutender als alle anderen Büchern, die jemals geschrieben wurden und jemals geschrieben werden. Um das zu betonen, bezeichnen Christen die biblischen Bücher seit 2000 Jahren als inspiriert. Die Einzigartigkeit der Bibel kann man auf zwei unterschiedlichen Wegen erfassen und beschreiben …“

Beansprucht der synoptische Jesus eine göttliche Identität?

Rez. zu J. R. Daniel Kirk, A Man Attested By God. The Human Jesus of the Synoptic Gospels. Grand Rapids: Eerdmans 2016, in: ThLZ 142 (2017) 1038-1041:

„An britischen Universitäten gibt es eine Gruppe von Neutestamentlern, die sich seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts scherzhaft als „Early High Christology Club“ bezeichnet. Diesem Club hat Larry Hurtado 2003 unter dem Kürzel „EHCC“ sein grundlegendes Buch „Lord Jesus Christ“ gewidmet. Diese Gruppe von Bibelwissenschaftlern ist der Meinung, dass bereits die frühesten christlichen Quellen eine hohe göttliche Christologie bezeugen, die sich wahrscheinlich auf den ersten Jüngerkreis kurz nach der Kreuzigung Jesu zurückführen lässt. In diesem Zusammenhang vertritt Richard Bauckham die These, dass Jesus auch in den synoptischen Evangelien nicht nur als menschlicher Agent Gottes handelt, sondern Teil hat an der Identität des Gottes Israels. Gegen diese These und ihre Hauptvertreter wendet sich der US-amerikanische Exeget Daniel Kirk in seinem Buch „A Man Attested By God“. Seines Erachtens schreibt sich der synoptische Jesus keine göttliche Identität zu, sondern agiert als reiner Mensch, den Gott durch seinen Geist zu seiner messianischen Aufgabe ermächtigt hat …“

Oral Tradition and Synoptic Verbal Agreement

Rez. zu. T. M. Derico, Oral Tradition and Synoptic Verbal Agreement. Evaluating the Empirical Evidence for Literary Dependence. Eugene, Oregon: Pickwick Publications 2016, in: ThLZ 142 (2017) 1035-1038:

„In recent times a number of New Testament scholars have come to the conclusion that copying may not offer the best explanation for the Synoptic Problem. A growing minority believes that the influence of oral tradition has long been underestimated. In his Oxford dissertation, which was supervised by Chris Rowland, and David Wenham, Travis Derico has joined the group of exegetes who apply an interdisciplinary empirical approach to the Synoptic Problem and explore the possible contributions of the most recent field research on orality and oral tradition …“ (download).